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Traumgedichte

LES FLEURS MYSTIQUE

Als ob ich mich von einer Welt in eine andere träumte. Und dann Panik: die Fülle
der Möglichkeiten! Ich möchte steuern, doch die Lenkung ist tiefer in mich
gebettet. Angst und Vertrauen ringen miteinander, und es ist, als könnte nicht das
eine, noch das andere gewinnen. Angst und Hoffnung in der Welt des
Beobachters zu erwachen.

 

 

11.11.91
0:30 Uhr


I could have died this night.
Heute nacht war ich gestorben.I
Warum nur ziehe ich mich immer wieder zurück in diesen Traum. II
Wenn ich dort bin, weiß ich, daß ich hier nichts, das wirklich III
ist, zurücklasse.

 

20.11.91


Mit blendender Helligkeit
Ist der Untergang der sterbenden Städte
In meine Seele graviert
Unendliche Tränen - Ein Lichtblitz

 

6.2.92


Die Ratlosigkeit vor dem Regal eines Supermarktes.
Ich verwöhne mich mit Schokolade und Himbeersaft.
Irgendwann dämmert in mein Bewußtsein, daß es dunkler wird,
ich kann fast nicht mehr sehen.
Ich treffe auf eine Kassiererin und frage, was es kostet.
Sie sagt, gib mir irgend etwas und schnell weg hier.
Später auf dem Weg: Du weißt nicht, wie sie sind, wenn jemand
Anders ist - sie wollen alles genau wissen.
Später rechnet sie doch alles genau ab, und ich verstehe:
Es ist nicht Großzügigkeit gewesen oder Faulheit nach Feierabend.
Sie brachte mich von dort fort aus Sorge um mich - ein mütterlicher Mensch.
Ich wache auf mit dem Bewußtsein von Gefahr.

 

13.2.92


Als Geist schwebe ich durch Dinge, Bäume und Menschen.
Auch durch einen wilden Hund. Aber die Welt wechselt
und plötzlich kann der Hund mich beißen.
Er beißt mich einmal, zweimal, und ich verstehe:
Schmerz macht mich wirklich - Wirklichkeit macht mir Schmerz.

 

17.2.92


| Mahamudra |
Die Wendung zur Quelle
Die Quelle in meiner Mitte speist den Spiegel
meines Bewußtseins
| Ich bin die Quelle |
| Mein Bewußtsein ist der Spiegel |
HONA

 

März, 92


La cava di Lago di Garda
Ein Punkt für die Ruhe
Ein Punkt für Diogenes
Eine Höhle im Felsen -
ein Schlafplatz
Für Bären und Pilger
Ein kleiner Fleck
Zugang durch die Weide
mit Steinbänken und Kies
der Sonne zugewandt.
Auch ein Sprungbrett gibt es
und viel Geräusch von
Wellen und Rasenmähern.

 

24.10.92


Wieder macht sich der Ritter auf die Reise;
unsteter Wanderer auf der Suche nach dem heiligen Gral.
Doch nun hat er eine Gefährtin, und er trägt den Kelch bei sich -
bereit sich denen zu teilen, die empfänglich sind.
Jetzt sucht er seine Meisterschaft.


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